In den klinischen Behandlungsangeboten der Fachklinik Nettetal werden Männer ab dem Alter von 18 Jahren behandelt, wenn sie nach der internationalen Klassifikation psychischer Störungen ICD-10 ein stoffgebundenes Abhängigkeitssyndrom (F 1x.2) aufweisen und eine stationäre medizinische Rehabilitation benötigen.
Die Grundlage unseres rehabilitativen Denkansatzes bildet die internationale Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit (ICF). die als länder- und fachübergreifende einheitliche Sprache zur Beschreibung des funktionalen Gesundheitszustandes, der Behinderung, der sozialen Beeinträchtigung und der relevanten Umgebungsfaktoren einer Person dient. Die Folgen von chronischen Erkrankungen werden im bio-psycho-sozialen Modell der ICF als das Ergebnis einer Wechselwirkung von Krankheit, Individuum und seinem Kontext dargestellt. Die Rehabilitation richtet sich vor diesem Hintergrund nicht nur an die betroffene Person sondern auch an die Bedingungen, welche die Beeinträchtigungen verstärken oder vermindern.
Um arbeits- u. berufsbezogene Problemlagen frühzeitig zu identifizieren und zeitnah geeignete Gegenmaßnahmen ergreifen zu können, werden Elemente der Arbeitswelt in die Strukturen und Prozesse der medizinischen Rehabilitation in der Fachklinik Nettetal integriert (MBOR).
Berücksichtigung finden dabei:
- Verlauf der Abhängigkeitserkrankung (Dauer und Ausprägung des Abhängigkeitssyndroms, Konsummuster, Abstinenzphasen)
- Medizinische Befundlage (Folge- und Begleiterkrankungen, Infektionserkrankungen)
- Beeinträchtigungen der Aktivitäten/Teilhabe am beruflichen und gesellschaftlichen Leben
- Kontextfaktoren im Sinne von Förderfaktoren (Kompetenzen, Ressourcen, Beziehungen) und Barrieren (biographische und psychosoziale Belastungen)
- Abstinenzmotivation, Einstellung zu den Behandlungszielen, zur Selbsthilfe und zur Nachsorge
Entscheidende Informationsquellen für die Überprüfung sind:
- das Verhalten des Patienten während der Behandlung in den unterschiedlichen Settings
- die Orienteirung an den Behandlungszielen und die entsprechende Veränderungsmotivation
- die Kooperation des Patienten während der Behandlung und
- seine persönlichen Ressourcen und Stärken